Cannabis
Wirkstoff
Wirkstoffe der Cannabispflanze sind die Cannabinoide, insbesondere das Tetrahydrocannabinol
(THC). Haschisch ist in seiner Wirkung stärker als das Marihuana. Eine noch stärke Wirkung hat das
Cannabis-konzentrat (Haschisch Öl), bei dem die Wirkstoffe auf chemischem Wege angereichert
wurden.
Allgemeine Wirkung
Innerhalb weniger Minuten nach der Inhalation eines "Joints" beginnen die Wirkungen des THC, bei
oraler Aufnahme nach 30 bis 90 Minuten. Nach einer einzelnen Zigarette sind die subjektiven
Cannabiswirkungen in der Regel nach 2 - 4 Stunden abgeklungen. Bei zweitgenannter Form der
Aufnahme wird zwei bis dreimal weniger THC ins Blut aufgenommen als bei Inhalation. Allerdings
bleibt das THC bei oraler Aufnahme länger (bis zu 30 Tage) im Körper.
Cannabis wirkt über spezielle Rezeptoren. Es wurden zwei Cannabisrezeptoren identifiziert. Der erste
Rezeptor (CB1) befindet sich u.a. in verschiedenen Gehirnregionen, der zweite (CB2) in Zellen der
Milz.
Beim typischen Rauschverlauf treten beruhigende, entspannende und stimmungsbelebende Effekte
auf. Es kommt zu Veränderungen der Sinneswahrnehmungen, des Farb- und Geräuschempfindens
sowie des Raum- und Zeitgefühls. Auch Konzentrationsmängel, Apathie und Antriebsmangel können
die Folge sein.
Beim atypischen Rauschverlauf können zusätzlich folgende Wirkungen auftreten:
psychopathologische Störungen (Dysphorie, Angst, Panik), innere Unruhe, gesteigerter Antrieb,
Verwirrtheit.
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit
Cannabiskonsum führt zu massiven Leistungsbeeinträchtigungen im Bereich des Zeitgefühls, der
optischen und akustischen Wahrnehmung, sowie des Reaktions- und Konzentrationsvermögens.
In der Studie von Johannes G. Ramaekers, Günther Berghaus, Margriet van Laar und Olaf H.
Drummer wurden die Auswirkungen des Cannabiskonsums auf die Fahrtauglichkeit untersucht.
Danach ist eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit zu bejahen. Bei Dauerkonsum von Cannabis
kann es zu dauerhafter Fahruntüchtigkeit kommen, die aber nach einer gewissen Dauer der Abstinenz
wieder nachlässt, sodass die Fahrtüchtigkeit wiedererlangt werden kann.
Besondere Gefahren bestehen im Mischkonsum von Alkohol und Cannabis im Straßenverkehr. Diese
Gefahren sind größer als bei einer Beschränkung auf eine Droge. Es gibt auch noch keinen mit dem
Atemalkoholtest vergleichbares Verfahren zur Bestimmung des THC-Gehalts im Körper. So
produzieren die derzeitigen Testmethoden noch viele Falschmeldungen in beide Richtungen.
Cannabis beeinflusst auch nicht alle Bereiche der Fahreignung. Hauptsächlich betrifft es die Bereiche
wie beispielsweise Geschwindigkeit, nicht jedoch das Einschätzen von Abständen.
Aus den Rausch-Effekten des Cannabis resultieren folgende Leistungseinschränkungen im
Straßenverkehr:
1. Störungen des Zeitgefühls,
2. Störungen der Bewegungskoordination,
3. Verlängerung der Reaktions- und Entscheidungszeit (z. B. Fehleinschätzungen der für
Überholvorgänge erforderlichen Zeit),
4. Einschränkung des verkehrsrelevanten Hörvermögens im Sinne der "Signalentdeckung"
(schwache Gehörreize können aus irrelevanten Hintergrundgeräuschen nicht mehr
zuverlässig herausgefiltert werden),
5. Einschränkung der Konzentrationsfähigkeit,
6. Herabsetzung des Farbunterscheidungsvermögens,
7. verschlechtertes Erkennen von zentralen und peripheren Lichtsignalen und von Details in
bewegten Objekten,
8. Verschlechterung der dynamischen Sehschärfe für bewegte Objekte sowie
9. Verschlechterung des räumlichen Sehens.
Bei experimentellen Untersuchungen ergaben sich nach Cannabiskonsum die folgenden allgemeinen
Ausfallerscheinungen (beim Test im Fahrsimulator und im realen Fahrversuch auf der Straße), die die
o.g. Leistungsminderungen zusammenfassen:
1. Leistungsminderungen bei der Fahrkoordination
2. Leistungsminderungen beim "Tracking" (= Fähigkeit, einen Zeiger auf einem bewegten Ziel zu
halten). Trackingaufgaben erfordern häufig Hand-Auge-Koordinationen.
3. Leistungsminderungen bei der "Vigilanz" (= Fähigkeit, seltene Signale bei einer ereignisarmen
oder langweiligen Aufgabe zu entdecken und zu beantworten)
4. Leistungsminderungen bei der "Perzeption" (= Vorgang des Auffassens, des Erkennens eines
Gegen-standes und zugleich die Vorbereitung für seine Aufbewahrung als Erfahrung)
Bei gleichzeitigem Alkohol-Konsum verstärken sich die Wirkungen des Cannabis. Es kommt darüber
hinaus häufiger zu Sprachstörungen, Gangstörungen und verlangsamten Denkabläufen im Vergleich
zum ausschließlichen Cannabis-Konsum.
Der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis zur Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit nach
Cannabiskonsum ergibt sich aus den im Auftrag des Bundesverfassungsgerichts aus Anlass seiner
Entscheidung vom 20.06.2002 erstellten Gutachten von Prof. Dr. Berghaus und von Prof. Dr. Krüger.
Verbreitung
Cannabis wird in der Bundesrepublik Deutschland von schätzungsweise 2,1 Mio. Drogenkonsumenten
genommen, davon sind etwa 270.000 Dauerkonsumenten. Cannabis ist die in der Bundesrepublik
Deutschland am häufigsten gebrauchte und gehandelte illegale Droge.
Im Jahr 2009 wurden in 33.429 Fällen insgesamt 6.518 kg Cannabis (Haschisch und Marihuana)
sichergestellt (Quelle: Bundeskriminalamt).
Langzeitfolgen und Gefahren
Psychisch: Die Studie von Catherine Hanak, Juan Tecco, Paul Verbanck and Isy Pelc[1] fand heraus,
dass es zu keinen chronischen Psychosen beim Absetzen von Cannabis kommt. Bei Personen, die
bereits an psychischen Erkrankungen leiden, kann der Konsum allerdings akute psychotische
Reaktionen hervorrufen auch verbunden mit Halluzinationen. Starker Cannabiskonsum kann
Auswirkungen auf die Entwicklung akuter Psychosen haben. Unklar ist, ob es eine chronische
spezifische cannabisbezogene Psychose gibt. Für das Vorliegen des Amotivationssyndrom sehen die
Forscher keine Beweise. Ungeklärt ist auch die Frage, ob Stimmungsprobleme vor dem
Cannabiskonsum vorhanden oder dessen Folge sind. Auch ist bei Menschen eine physische
Abhängigkeit von Cannabis nicht zu beobachten, wohl aber eine psychische, wenngleich das
Abhängigkeitspotenzial geringer eingeschätzt wird als das von Tabak oder Alkohol. Diese
Abhängigkeitsentwicklung hängt wiederum von der Dosis, Frequenz und Dauer des Konsums ab.
Noch gibt es aber keine einheitlichen Kriterien für "schweren Konsum" und es fehlen Kenntnisse über
die Wechselwirkungen des Konsums anderer Substanzen wie z.B. Alkohol oder Kokain.
Physisch: Cannabis hat bei durchschnittlichem Konsum keinen klinisch relevanten Effekt auf
irgendwelche Teile des menschlichen Organismus, außer den Lungen. Der Teer des Rauchs von
Marihuana enthält 50 % mehr karzinogene (krebserregende) Stoffe als die vergleichbare Menge
ungefilterter Tabak. Das Rauchen von Cannabis ist ein potenzieller Risikofaktor für eine
Lungenerkrankung. Cannabisraucher sind dabei noch stärker gefährdet als Zigarettenraucher.
Quelle: http://www.bads.de/informieren/drogen/cannabis/